Rotmilan (Milvus milvus) / © Ch. Venne
Rotmilan bei Altenbeken / © Ch. Venne

Rotmilanschlafplatzzählung

Nach der Brutzeit und bevor Rotmilane in ihre Winterquartiere im Süden Frankreichs und Spaniens aufbrechen, sammeln sich die Vögel an Plätzen, die ausreichend Nahrung und geeignete, ungestörte Schlafplätze in enger Nachbarschaft bieten. Die Bildung von Schlafplatzgemeinschaften steht im Zusammenhang mit dem Sozialverhalten der Art. Im Winterquartier sind sie der Normalfall und vielfach beschrieben. Auf der Zugstrecke sind größere Schlafplatzgemeinschaften insbesondere aus den Dichtezentren der Brutvorkommen bekannt, da Zuggemeinschaften - im Gegensatz zu Einzelvögeln in den dünner besiedelten Randgebieten - eher zu längerem Verweilen neigen.

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft beteiligt sich seit dem Jahr 2013 an der Rotmilan-Schlafplatzzählung, die seit einigen Jahren zeitgleich am Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche in den Kreisen Unna, Soest, Paderborn und im Hochsauerlandkreis durchgeführt wird (Joest et al. 2012). Dabei werden an einem Stichtag Ende August/Anfang September die Rotmilane an den bekannten Schlafplätzen erfasst. Da die Besetzung der Schlafplätze einer gewissen räumlichen und zeitlichen Dynamik unterliegt, ist es notwendig die Rotmilanaktivität bereits in den Wochen vor dem Zählstichtag zu erfassen, um dann am Zählstichtag möglichst gezielt die aktuellen potenziellen Schlafplätze überwachen zu können. Die Zählung selber erfolgt ab dem späten Nachmittag. Durch Zählung der Einflüge, Zählung maximal kreisender Exemplare über dem Schlafplatz und in seltenen Fällen durch Zählen der sitzenden Vögel und entsprechende Zeitprotokolle wird so eine Mindestanzahl von Rotmilanen erfasst.

Rotmilane (Milvus milvus) / © Ch. Finke
Rotmilane am Schlafplatz / © Ch. Finke
Rotmilan (Milvus milvus) / © Ch. Venne
Rotmilan bei Buke / © Ch. Venne
Rotmilane an WEA (Milvus milvus) / © W. Venne
Rotmilane an WEA / © W. Venne

Von der Getreideernte Mitte Juli bis Ende Oktober bieten die Felder des Haarstrangs und der Paderborner Hochfläche eine attraktive Nahrungsfläche für Rotmilane. Ein dynamisches Zuggeschehen vorausgesetzt, liegt die Anzahl der Spätsommerschläfer deutlich über der territorialen Saisonpopulation zur Brutzeit, die sich aus den Brutpaaren und Nichtbrütern zusammensetzt und im Kreis Paderborn aus etwa 90 Revieren rekrutiert (Biostation Kreis Paderborn Senne 2013). Funde flügelmarkierter Tiere aus Thüringen bei Bad Wünnenberg im September 2010 belegen die Beteiligung von Rotmilanen aus weiter östlich gelegenen Brutgebieten am Schlafplatzgeschehen.

Der Rotmilan ist eine europaweit gefährdete Art, die ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt in Mittel- und Ostdeutschland hat. In unserem Arbeitsgebiet brütet nicht nur ein wichtiger Teil der nordrhein-westfälischen Population, der Raum ist auch extrem wichtig als Nahrungsgebiet für rastende und durchziehende Rotmilane, wie die aktuelle Erfassung zeigt.

Wir bemühen uns bei den Zählungen um eine möglichst gute Abdeckung und freuen uns über Unterstützung. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

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Mauersegler (Apus apus) / © W. Venne