Maskenbiene Hylaeus annularis / © Ch. Venne
Maskenbiene Hylaeus annularis / © Ch. Venne

Projekt Stechimmenschutz

Schafbeweisung im Bielefelder Süden / © F. Ahnfeldt
Schafbeweisung im Bielefelder Süden / © F. Ahnfeldt
Blühende Zwegstrauchheide bei Oerlinghausen / © Ch. Venne
Blühende Zwegstrauchheide bei Oerlinghausen /<br />© Ch. Venne
Blütenreicher Sandmagerrasen im NSG "Moosheide" / © Ch. Venne
Blütenreicher Sandmagerrasen im<br />NSG "Moosheide" / © Ch. Venne
Weibchen der Scherenbiene Chelostoma rapunculi sammeln Pollen zur Versorgung ihrer Larven ausschließlich an Glockenblumen / © Ch. Venne
Weibchen der Scherenbiene Chelostoma rapunculi sammeln Pollen zur Versorgung ihrer Larven ausschließlich an Glockenblumen / © Ch. Venne
Offene Binnendüne im NSG "Moosheide" / © Ch. Venne
Offene Binnendüne im NSG "Moosheide" /<br />© Ch. Venne
Bei Maßnahmen zur Verjüngung von Besenheidebeständen wird großflächig Rohboden hergestellt / © Ch. Venne
Bei Maßnahmen zur Verjüngung von Besenheidebeständen wird großflächig Rohboden hergestellt / © Ch. Venne
Totholz kommt eine wichtige Bedeutung als Nistplatz für solitär lebende Wespen und Bienen zu / © Ch. Venne
Totholz kommt eine wichtige Bedeutung als Nistplatz für solitär lebende Wespen und Bienen zu /<br />© Ch. Venne
Künstliche Stechimmen-Nisthilfe / © Ch. Venne
Künstliche Stechimmen-Nisthilfe / © Ch. Venne

Bienen, Stechwespen und Ameisen werden zur Gruppe der Stechimmen zusammengefasst. Obwohl sich diese artenreiche Insektengruppe durch eine besondere Vielfalt in Morphologie und Verhalten auszeichnet, findet sie bei den meisten Menschen nur wenig Beachtung. Dies ist umso erstaunlicher da viele Arten auch im Siedlungsbereich geeignete Lebensräume finden und uns somit ständig umgeben.

 

Lebensraumschutz

Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Stechimmenschutz ist selbstverständlich die Erhaltung der bedeutsamen Stechimmen-Lebensräume (Schutz vor Bebauung, Umnutzung, Zerschneidung, Beeinträchtigung). Da die überwiegende Zahl der heimischen Stechimmenarten Offenlandlebensräume bewohnt, bedeutet Lebensraumschutz für Stechimmen in erster Linie auch Erhaltung, Pflege und Entwicklung von extensiv genutzten Offenlandlebensräumen. Viele der heute für Stechimmen bedeutsamen Lebensräume (z.B. Sandmagerrasen und Zwergstrauchheiden, Kalkmagerrasen) sind Relikte alter Kulturlandschaftsformen (Heidebauerntum, Hüteschafhaltung) und deshalb auch heute in ihrem Fortbestand auf ein geeignetes Pflegemanagement angewiesen. Offenlandlebensräume sind ständig durch natürliche Sukzession von der Wiederbewaldung bedroht und benötigen eine Nutzung, die diesem Prozess entgegenwirkt. Als zielführend haben sich hier verschiedene Beweidungsformen (Schweine, Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde) sowie verschiedene Mahdverfahren herausgestellt. Gerade bei der Beweidung muss jedoch häufig zusätzlich eine Entkusselung bzw. Entbuschung zur Reduktion des Gehölzaufwuchses durchgeführt werden.

 

Habitatrequisite Blütenangebot

Nahezu alle Stechimmenarten sind zur Versorgung ihrer Brut und/oder zur Eigenversorgung auf ein gut ausgeprägtes Blütenangebot angewiesen. Besonders für die Bienenarten, die Pollen und Nektar zur Brutverproviantierung benutzen, stellt das Blütenangebot häufig einen limitierenden Faktor dar. Dies wird umso deutlicher, wenn bedenkt, dass bspw. die Scherenbiene Chelostoma rapunculi zur Verbroviantierung einer einzigen Brutzelle etwa 22 Blüten der Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) oder 37 Blüten der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia) oder eine ähnlich hohe Blütenzahl anderer Glockenblumen benötigt. Aprobates Mittel zur qualitativen und quantitativen Verbesserung des Blütenangebotes auf landwirtschaftlich genutzten Flächen stellt eine Reduktion der Düngegaben dar, die mit einer Nutzungsextensivierung einhergeht. Ein wichtiges Förderinstrument stellt in diesem Zusammenhang das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) dar. Das KULAP dient zur Erhaltung, Wiederherstellung und Optimierung der charakteristischen Kulturlandschaftselemente durch Vertragsnaturschutz. Zwischen dem entsprechenden Landkreis und den Landwirten wird einvernehmlich ein Vertrag abgeschlossen. In diesem Vertrag sind Pflegemaßnahmen (z.B. Reduktion der Düngegaben) enthalten, die der Landwirt auf der Vertragsfläche durchzuführen hat und wofür er entsprechende Fördergelder bekommt. Diese werden vom Land NRW, aus Geldern der EU und vom Landkreis gezahlt.

 

Habitatrequisite Rohboden

Weiteres wichtiges Pflegeziel (vorrangig in den Sandgebieten) gerade im Hinblick auf die Stechimmen sollte die Erhaltung bzw. Neuschaffung offener Rohbodenstandorten sein. Dieses Lebensraumelement hat für zahlreiche heute größtenteils selten gewordene Arten eine hohe Bedeutung als Nist- und Lebensraum. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um grabende Stechimmenarten. In den sandgeprägten Bereichen der Westfälischen Bucht fehlt seit der großflächigen Aufgabe des Plaggenhiebs (spezielle Wirtschaftsform des Heidebauerntums) vielerorts Ereignisse, die zur Rückführung der Vegetation auf die ersten Sukzessionsstadien beitragen. Dies führte zu einem Rückgang offener Sandlebensräume. Mechanische Verletzungen der Grasnarbe treten heute kleinflächig noch im Bereich von Wirtschafts- und Wanderwegen auf. Verursacher sind landwirtschaftliche Fahrzeuge, Wanderer, Radfahrer und Reittiere. Großflächig fungieren Sandabgrabungen und innerhalb der militärisch genutzten Bereiche Fahrzeugbewegungen zu Manöverzwecken als solche Ereignisse (Panzertracks, Fahrzeugübungsgelände). Heute entstehen in manchen Schutzgebieten des Senneraumes auch im Rahmen gezielter Naturschutzmaßnahmen offene Bodenstellen durch kleinflächiges manuelles Abplaggen oder flaches Abschieben mit dem Bagger. Sand- und Kiesabgrabungen können aufgrund der durch die Abbauaktivitäten offengelegten Bodenpartien als wichtige Sekundärlebensraum für Stechimmen und andere Tiergruppen, die auf Rohbodenstandorte angewiesen sind, fungieren.

 

Habitatrequisite Totholz

Weiteres prioritäres Ziel des Stechimmenschutzes muss eine systematische Erhöhung des Totholzanteils im Einzugsbereich von Stechimmenlebensräumen sein. Besonntes Totholz z.B. im Waldrandbereich oder im Offenland hat eine große Bedeutung als Nistplatz für sehr viele Stechimmenarten und sollte bei Durchforstungen unbedingt geschont werden. Stechimmen nisten hier in Hohlräumen und von Käferlarven genagten Fraßgängen. Dort, wo Totholz fehlt und in absehbarer Zeit auch nicht entwickelt werden kann, läßt sich für holzbewohnende Stechimmenarten viel durch die Aufstellung künstlicher Nisthilfen erreichen.

 

Artenschutzmaßnahmen im Siedlungsbereich

Zahlreiche z.T. sogar seltene Stechimmenarten treten auch im Siedlungsbereich auf. Für diese Arten lassen sich durch Verbesserungen im Blütenangebot und durch künstliche Niststrukturen in jedem Garten schon mit wenig Aufwand bemerkenswerte Ergebnisse in puncto Stechimmenschutz erzielen.

Im Rahmen eines Projektes bietet die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne Informationen rund um das Thema "Stechimmen" an und unterstützt Schulen und Privatleute bei der Anlage von Nisthilfen und der stechimmengerechten Umgestaltung von Schul- und Privatgärten. Nähere Informationen zu geeigneten Maßnahmen im Siedlungsraum erhalten sie hier.

Zudem führt die Biologische Station im Raum Bielefeld ein Pilotprojekt zum Einsatz von Stechimmennisthilfen in der offenen Landschaft durch.

 

 

Kontakt 

Christian Venne
Biologische Station Kreis Paderborn-Senne
Birkenallee 2
33129 Delbrück-Ostenland
05250 / 70841-19
christian.venne(at)bs-paderborn-senne.de