Die ehemaligen Brunnenflächen hatten für Insekten wenig zu bieten. / © Ch. Venne
Die ehemaligen Brunnenflächen hatten für Insekten wenig zu bieten. / © Ch. Venne
Anlage von Rohbodenpartien als Nistplatz und Lebensraum. / © Ch. Venne
Anlage von Rohbodenpartien als Nistplatz und Lebensraum. / © Ch. Venne
Dünen-Sandlaufkäfer mit erbeuteter Waldameise. / © Ch. Venne
Dünen-Sandlaufkäfer mit erbeuteter Waldameise. / © Ch. Venne

Ehemalige Brunnenanlagen werden zu Insektenwelten

Seit 2019 entwickelt die Vereingte Gas- und Wasserversorgung GmbH (VGW) in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station modellhaft einige ehemalige Brunnenanlagen im Einzugsbereich des Wasserwerks Mühlgrund im Holter Wald bei Verl zu wertvollen Insektenlebensräumen. Auf den Flächen werden Maßnahmen zur Verbesserung des Futterpflanzen-, Blüten- und Nistplatzangebotes durchgeführt.

Die drei kleinen, stark ruderalisierten Flächen (jeweils ca. 1.000 qm) hatten vor Beginn der Maßnahmen nicht viel für Insekten zu bieten. In kleinen Teilabschnitten gab es ein besser entwickeltes Blütenangebot, wertvolle Nistplatzressourcen wie Rohboden oder Totholz waren, abgesehen von Zaunpfosten einer angrenzenden Weidefläche, nicht vorhanden.

In einem ersten Schritt wurde im Sommer 2019 auf jeder der drei Flächen in einem blütenarmen, monoton ausgeprägten Bereich mit dem Bagger eine größere Rohbodenfläche angelegt. Schritt für Schritt werden nun weitere Maßnahmen umgesetzt: es werden Totholzstapel als Nistplatz für totholzbewohende Insekten angelegt und Obstbäume zur Anreicherung des Blütenangebotes gepflanzt. Ob Mahdgutübertragung oder eine ergänzende Einsaat zur weiteren Anreicherung zum Einsatz kommen, soll nach dem Winter entschieden werden. Langfristig werden durch eine regelmäßig extensive (Teil-)Mahd artenreiche Pflanzengesellschaften mit einem guten Blütenangebot entstehen.

Die mit vergleichsweise geringem Aufwand zu realisierenden Maßnahmen können aufgrund ihrer guten Übertragbarkeit  Impulse für ähnliche Projekte geben oder zur Umsetzung im eigenen Garten anregen.

 

 

Erste Erfolge bereits kurz nach Beginn der Maßnahmen sichtbar

Im September konnte auf einer der neu angelegten Rohbodenflächen bereits ein erster Dünen-Sandlaufkäfer beobachtet werden. Diese langbeinigen Käfer in Camouflage besiedeln ausschließlich Lebensräume mit einem ausreichend großen Rohbodenanteil. Mit großen Augen, denen nichts entgeht, und mit kräftigen Beißwerkzeugen geht er hier auf die Jagd. Dieser Käfer nutzt offene Sandflächen als Rennbahn, um hier in kurzen Sprints Kleintiere wie Hautflügler, andere Käfer oder Spinnen zu erbeuten. Bei großer Hitze graben sich die Käfer in den Sand ein. Auch die ebenfalls räuberischen Larven leben im Sandboden. Sie graben lange Stollen, auf die man häufig durch den zu Kügelchen geformten Aushub aufmerksam wird. Am Stolleneingang lauern die gefräßigen Larven auf vorbei laufende Kleintiere, die durch blitzartige Schnappbewegungen erbeutet werden.