Beobachtungstipps

Den Großteil seiner Zeit verbringt ein Pferd mit dem Fressen und Ausruhen. Ganz so langweilig, wie es sich zunächst anhört, ist ein Pferdeleben aber nicht. Möchte man sich mit dem Verhalten von Pferden beschäftigen, lohnt es sich, zunächst über die natürliche Lebensweise wilder Pferde nachzudenken.

Pferde sind soziale Tiere und leben in Herden mit einer Rangordnung. Um sich untereinander zu verständigen, verfügen sie über eine umfangreiche Körpersprache. Dadurch können sie zum Beispiel auf Gefahren hinweisen und ihre Zuneigung oder Überlegenheit anderen Herdenmitgliedern gegenüber ausdrücken.

Außerdem sind Pferde typische Steppenbewohner und fressen ausschließlich Pflanzen. Sie selbst hingegen sind beliebte Beute von Raubtieren. Viele körperliche Anpassungen helfen ihnen, herannahende Jäger aufzuspüren. Pferde können ihre Ohren unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen, auch im Schlaf. Die lange Nase, lässt sie ausgezeichnet riechen und die großen, seitlich am Kopf sitzenden Augen erlauben ihnen fast einen Rundumblick. Schlafen können Pferde sogar im Stehen, um in bedrohlichen Situationen sofort und durch die langen, leichten Beine schnell flüchten zu können.

Unten sind einige Elemente der Pferdesprache von A wie „Anrempeln“ bis W wie „Wiehern“ aufgelistet. Zur Erläuterung werden Sie weitergeleitet, wenn Sie das jeweilige Sichtwort anklicken. Grundlage dieser Zusammenstellung ist das „Lexikon der Pferdesprache“ von Dr. Gerry und Julia Neugebauer von 2011. Alle Fotos und Videos wurden in unserer Herde aufgenommen.

Schauen Sie sich vor dem nächsten Spaziergang zu den Senner Pferden doch mal auf dieser Seite um. Vielleicht entdecken Sie beim genauen Hinsehen die eine oder andere Verhaltensweise vor Ort wieder und wissen dann sogar, was sie bedeutet. Ein Besuch lohnt sich übrigens besonders während der frühen Morgen- und späten Abendstunden. Dann zeigt sich meist eine stärkere Dynamik in der Herde. Außerdem kann man ganz ungestört beobachten, weil sich kaum andere Besucher rund um die Wildbahn aufhalten. Bitte respektieren Sie, dass eine Fütterung der Tiere nicht gestattet ist.

 

Anrempeln und Ausweichen

Beißen und Zwicken

Dösen, Schlummern und Tiefschlaf

Fellpflege

Fern- und Naherkunden

Flehmen

Ohrenstellung

Spielen

Stimmungsübertragung

Wälzen

Wandern

Wiehern

Anrempeln und Ausweichen

„Platz da!“

Die Wildbahn in der Moosheide, auf der die Senner Herde die Sommermonate verbringt, umfasst die Größe von fast 30 Fußballfeldern. Da sollte man meinen, jedes einzelne Tier habe genug Platz für sich allein. Trotzdem kann man immer wieder beobachten, dass ein Pferd ein anderes, zum Beispiel beim Grasen, mit dem Hinterteil, dem Kopf oder der Schulter wegdrückt um dann den Platz des Artgenossen einzunehmen.

Dieses Verhalten hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass das Gras dort, wo die anderen Pferde fressen, grüner wirkt, sondern ist, wie das Beißen und Zwicken, ein Zeichen der Überlegenheit des rempelnden Pferdes. Es möchte also dem rangniedrigeren Tier zeigen, dass es hier „nichts zu melden hat“. Auf der Winterweide am Güsenhofsee, wo neben der Wasser- auch die Futterstelle, eine Heuraufe, nur begrenzten Platz bietet, zeigen die Senner diese Verhaltensweise noch häufiger.

Beißen und Zwicken

„Ich bin hier der Boss!“

In einer Herde sind die Verhältnisse keineswegs in Stein gemeißelt. Immer wieder gibt es Verschiebungen oder müssen Positionen in der Rangordnung gefestigt werden. Ranghöhere Pferde zeigen Artgenossen ihre Überlegenheit manchmal durch leichtes Zwicken oder kräftigeres Beißen. Das klingt ganz schön brutal und fühlt sich für das rangniedrigere Tier natürlich unangenehm an. Schwere Verletzungen fügen die Tiere einander jedoch nicht zu. Gerade junge Hengste beißen und zwicken sich gegenseitig auch aus Spaß beim übermütigen Kampfspiel. Hier werden wichtige soziale Regeln trainiert.

Dösen, Schlummern und Tiefschlaf

„Na dann, gute Nacht!“

So ein Pferdealltag kann ganz schön aufregend sein. Kein Wunder, dass sich die Tiere zwischendurch immer wieder Ruhepausen gönnen. Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt und ganz genau beobachtet, wird klar, dass Ausruhen keineswegs gleich Ausruhen ist.

Am häufigsten, insgesamt etwa 4 Stunden am Tag, sieht man Pferde beim Dösen. Mit herabhängender Unterlippe und einem angewinkelten Hinterhuf stehen sie dann auf der Weide (Video 1). Ausruhen im Stehen - das klingt für unsereins ungewöhnlich, ist für Pferde aber bequemer als man denkt. Durch einen Trick im Bau des Knies, kann ein Pferd seine Beine beim Dösen feststellen, sodass sie nicht einknicken und kaum Muskelkraft benötigen. Nur die großen Muskeln im Po müssen auf einer Seite angespannt werden. Währenddessen wird das Bein auf der anderen Seite ausgeruht. Der entsprechende Huf wird angewinkelt („Schildern“). Nach einigen Minuten werden die Seiten gewechselt. Durch die Fähigkeit, im Stehen zu ruhen, können Pferde viel schneller als zum Beispiel wir Menschen flüchten, wenn Gefahr droht. Für den Fall der Fälle gibt es immer mindestens ein Tier in der Herde, welches als Wachposten die Nase gegen den Wind hält, die Umgebung absichert und die anderen warnt.

Fühlt sich ein Pferd absolut sicher, so legt es sich zum Dösen, Schlummern (Halbschlaf) und für den Tiefschlaf auch mal hin (Video 2 und 3). Zusammengerechnet kommt es täglich auf ungefähr 2 Stunden Schlaf im Liegen. Obwohl es durch das auf dem Tier lastende Eigengewicht und das anstrengende Aufstehen (Video 4) recht beschwerlich ist, sorgt erst das Liegen für eine ausreichende Erholung. Hochschwangere oder sehr alte Tiere vermeiden es trotzdem meistens. Die Gefahr, nicht wieder auf die Beine zu kommen, wäre zu groß.

Fellpflege

„Etwas weiter oben… So ist es gut.“

Staub, Parasiten, lästige Insekten, ausfallende Haare, Wind und Wetter – all das macht den Pferden in der Senner Herde zu schaffen. Um ihre Haut gesund zu halten und sich wohl zu fühlen, betreiben sie deshalb eine intensive Fellpflege.

Sie wälzen und schütteln (Video 2) sich oder scheuern Körperstellen, die anders schwer zu erreichen sind, an festen Gegenständen wie Bäumen (Video 1). Mit diesem Verhalten, das auch zur Verbreitung von Geruchsstoffen dient, beeinflussen die Tiere aktiv ihre Umwelt. So manches Bäumchen übersteht das Scheuern nicht unbeschadet, für eine halboffene Sandlandschaft wie die Moosheide ist das genau die richtige Pflegemaßnahme!

Besonderen Genuss empfinden die Pferde bei der „sozialen Fellpflege“ (Video 3). Zwei Pferde stellen sich dazu entgegengesetzt Seite an Seite und knabbern einander jene Fellpartien sauber, welche alleine nicht erreicht werden können. Dabei zeigen sie ihrem Partner an, welche Stellen besonders pflegebedürftig sind, indem sie selber diese bei ihm bearbeiten. Durch Schweifschlagen werden dem Artgenossen gleichzeitig die Fliegen vom Leib gehalten. Auf diese Weise pflegen die Tiere nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Freundschaft.

Fern- und Naherkunden

„War da was?“

Manchmal müssen Sie einige Zeit suchen, bis Sie die Senner auf der großen Wildbahn in der Moosheide endlich erspähen. Sie können sich sicher sein, dass die Tiere Ihre Anwesenheit schon viel früher wahrgenommen haben.

Ein fremder Geruch, ein knackender Ast oder ein sich bewegendes Objekt - ursprünglich bewohnten Pferde weitläufige Steppenlandschaften und waren darauf angewiesen, diese Sinneseindrücke möglichst schnell zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Nur durch das ständige Fernerkunden durch wenigstens einen sogenannten „Kundschafter“ konnte die Herde vor Angreifern wie Wolfsrudeln geschützt werden. Welches Tier diesen Job in der Senner Herde gerade übernimmt, können Sie mit etwas Geduld sehr gut beobachten: Es erwidert einen Reiz, indem es eine angespannte Körperhaltung einnimmt, sich der Quelle zuwendet, die Ohren spitzt und die Nasenlöcher („Nüstern“) weitet (Bilder). Zumeist ist einen Moment später klar, dass keine Gefahr im Verzug ist und das Tier verliert das Interesse. Dann grast es in aller Seelenruhe weiter.

Manchmal siegt aber auch die Neugier und das Pferd nähert sich vorsichtig dem Ursprung des Aufsehens um zum Naherkunden überzugehen. Dabei werden unbekannte Gegenstände beschnuppert, beknabbert oder mit den Vorderhufen bearbeitet. Naherkundung findet auch statt, bevor Pferde sich hinlegen oder wälzen und wenn sie auf Duftmarken ihrer Artgenossen stoßen.

 

 

Flehmen

„Riechst du das auch?“

In einem bekannten Witz fragt der Wirt das Pferd, das in seine Kneipe kommt: „Warum so ein langes Gesicht?“ Ein humorloses Pferd müsste antworten: „Damit ich besser riechen kann!“ Tatsächlich spielt der Geruchssinn für Pferde eine wichtige Rolle. Uns Menschen sind sie mit ihrer langen Nase weit überlegen.

Wie viele andere Tiere besitzen Pferde zusätzlich das Nasenbodenorgan. Ohne dieses würden einem Pferd so manche interessanten Geruchsstoffe verborgen bleiben. Dabei handelt es sich vor allem um Gerüche, die etwas über die Artgenossen verraten, zum Beispiel erfährt ein Hengst, ob es der richtige Zeitpunkt ist, sich mit einem bestimmten Weibchen zu paaren, ob es also „rossig“ ist.

Spannend ist, dass wir ganz genau beobachten können, wann ein Pferd sein Nasenbodenorgan einsetzt. Man nennt dieses Verhalten „Flehmen“. Um die Geruchsstoffe an den richtigen Ort seiner Nasenhöhle zu leiten, verzieht es auf ganz ulkige Art und Weise sein Gesicht (Video). Dabei werden die Nasenlöcher („Nüstern“) mit der nach oben gestülpten Oberlippe verschlossen.

Ohrenstellung

„Zeig her deine Ohren!“

Das Fluchttier Pferd muss sich auf sein Gehör verlassen können, um herannahende Gefahren möglichst schnell zu erkennen. Die intelligenten Tiere sind in der Lage Geräusche in einem größeren Frequenzbereich als wir Menschen wahrzunehmen, das heißt sie bekommen sowohl höhere als auch tiefere Töne mit als wir. Zu der spannenden Frage, welche Rolle der Infra- und Ultraschallbereich bei der Kommunikation der Pferde untereinander spielt, gibt es für die Wissenschaft noch einiges zu erforschen.

Die Ohrmuscheln eines Pferdes sind so beweglich, dass trotz stillgehaltenem Kopf ein gezieltes Hören in alle Richtungen möglich ist. Darüber hinaus gibt die Stellung der Ohren Aufschluss über die emotionale Verfassung eines Pferdes. Unten sind neben einem Video zum Ohrenspiel die verschiedenen Ohrenstellungen mit Interpretationsmöglichkeiten aufgeführt (Bilder verändert nach Neugebauer & Neugebauer 2011: "Lexikon der Pferdesprache"). Aber Vorsicht! Die Betrachtung der Ohren allein genügt nicht um die Gefühlslage einzuschätzen. Dazu muss der ganze Pferdekörper Beachtung finden. Dabei spielt zum Beispiel auch der restliche Gesichtsausdruck, die Körper- und Schweifhaltung eine Rolle.

 

 

Neutralstellung: entspannte Aufmerksamkeit mit größtmöglichem seitlichem Hörbereich

 

 

 

Gespitzte Ohren: erhöhte Wachsamkeit; Bindungs- und Komfortverhalten; Aggression; Spiel

 

 

Geteilte Aufmerksamkeit: Die Ohren werden getrennt voneinander auf zwei verschiedene Geräuschquellen gerichtet

 

 

 

„Flügelohren“: Flucht; Bindungs- und Komfortverhalten

 

 

 

Ohren nach hinten: Reizquelle befindet sich hinter dem Pferd; Flucht; Bindungs- und Komfortverhalten; Wachsamkeit

 

 

Angelegte Ohren: Aggression; Drohen

Spielen

„Fang mich doch!“

Ein glückliches Pferd verleiht seinem Wohlbefinden Ausdruck. Vor allem Jungtiere spielen gerne und ausgiebig miteinander, wodurch u. a. Wahrnehmung, Bewegungskontrolle und soziale Kommunikation trainiert werden. Das Spielverhalten weiblicher Fohlen weicht von dem der Männchen ab. Während Weibchen Laufspiele mit Buckeln bevorzugen, kommen bei männlichen Fohlen Kampfspiele hinzu. Erwachsene Stuten spielen kaum noch und lassen sich höchstens von Jungtieren zu kurzen Laufspielen hinreißen. Hengste sind etwas spielfreudiger, manche Wallache (kastrierte Hengste) behalten ihre kindliche Verspieltheit sogar bis ins Erwachsenenalter.

Beim Spielen zeigen Pferde alltägliche Verhaltensweisen wie spielerisches Beißen und Zwicken, Schubsen, Verfolgungsjagden, Wettrennen, Steigen und Buckeln (Video). Dabei wird im Ausdruck und Schwung auch schon mal dicker aufgetragen. Beliebig werden Rollen gewechselt, verschiedenste Verhaltensweisen kombiniert und einzelne Elemente wiederholt.

Gerade das Kampfspiel erfordert eine sichere Unterscheidung von Spiel und Ernst. Die Mimik verrät die wahre Absicht der Pferde. Im Gegensatz zum „Spielgesicht“ mit gespitzten Ohren geht das echte „Drohgesicht“ mit eng nach hinten angelegten Ohren einher (Ohrenstellung).

Stimmungsübertragung

„Wenn du schläfst, will ich auch!“

Ein Pferd innerhalb der Herde hört auf zu grasen und sucht sich stattdessen einen guten Platz zum Dösen. Anschließend dauert es nicht lange bis sich andere Herdenmitglieder, eventuell alle, dazugesellen. Diese alltägliche Beobachtung klingt so banal, als sei sie nicht der Rede wert. Dabei lässt sich an ihr eine wichtige Grundlage ablesen, die das Pferd zu einem sozialen Wesen macht: Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

Tatsächlich sind ganz bestimmte Nervenzellen des Gehirns, die Spiegelneuronen, dafür verantwortlich, dass ein Tier sich beim bloßen Anblick eines dösenden Artgenossen von dieser Stimmung anstecken lässt und ebenfalls zu dösen beginnt. Stimmungsübertragung zeigen Pferde u. a. auch beim Fliehen, Gähnen, Nachfolgen (Video), Spielen, Wälzen, Wandern und Warnen. Sie fördert das harmonische Zusammenleben in der Gruppe und die Bindung zwischen den Herdenmitgliedern. Nicht zu verwechseln ist die Stimmungsübertragung mit der Nachahmung, welche es einem Pferd ermöglicht neue Fähigkeiten durch „Abgucken“ zu erwerben.

Wälzen

„Jetzt zum Wellnessprogramm!“

Unabhängig von der Jahreszeit, ist das Wälzen ein Grundbedürfnis des Pferdes. Es werden staubige Böden, aber auch Schnee oder Schlamm bevorzugt. Das Wälzen ist Ausdruck des Wohlbefindens und wichtiger Bestanteil der Fellpflege. Verschwitztes oder nassgeregnetes Fell wird durch Staub getrocknet und aufgerichtet. Außerdem hilft das Wälzen äußerliche Parasiten und ausgefallene Haare loszuwerden. Staub oder Schlamm können auch eine Schutzschicht darstellen.

Das Hinlegen und Aufstehen, das notwendigerweise mit dem Wälzen verbunden ist, verlangt dem Tier große Kraftanstrengung ab. Ein am Boden liegendes Tier kann nicht so schnell fliehen und macht sich dadurch angreifbar. Ein Pferd, das sich nicht gesund und sicher fühlt, legt sich erst gar nicht hin.

Für das Beweidungsprojekt Senner Pferde kommt dem Wälzen eine besondere Bedeutung zu. Das häufig vorangehende Scharren zur Prüfung des Untergrunds und das Wälzen selbst schaffen offene sandige Stellen in der Sennelandschaft. Seltene Tier- und Pflanzenarten, die an einen solchen Lebensraum angepasst sind, vermehren sich seit Beginn des Projekts zusehends.

Wandern

„Kommt, wir ziehen weiter!“

Manchmal kann man die Senner dabei beobachten, wie sie im Gänsemarsch hintereinander her trotten. Dann werden sie von ihrer Leitstute zur Tränke, zu einem neuen Futter- oder Ruheplatz geführt. Durch Stimmungsübertragung werden die anderen Herdenmitglieder zum Nachfolgen ermuntert. Die Nachhut bildet der Leithengst, der die Gruppe nach hinten absichert und die Herde, wenn nötig, antreibt.

Auf der großen Koppel in der Moosheide sowie auf der Winterweide am Güsenhofsee haben sich dadurch regelrechte Trampelpfade gebildet, die immer wieder abgewandert werden (Bilder). Die Nutzung dieser vertrauten, sogenannten „Wechsel“ vermittelt den Tieren ein Gefühl von Sicherheit. Es fällt auf, dass die Herde keineswegs immer die kürzeste Strecke zum Ziel läuft. Viel mehr folgt sie leichten Schlangenlinien mit hin und wieder größeren Kurven. Auf diese Weise wurden wildlebende Herden in früheren Zeiten auf langen Wanderungen durch hohes Gras nicht so leicht von Fressfeinden entdeckt.

 

 

Wiehern

„Hörst du mich?“

Zweimal im Jahr zieht die Senner Herde um. Im Mai wird sie für den Auftrieb zur Wildbahn in der Moosheide gebracht. Ist der Sommer vorüber, so rollen die Pferdehänger wieder Richtung Winterweide. Eine Stute, die sich sonst durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, regt sich dann schon mal kräftig auf. Vor allem, wenn ihr Jungtier ohne sie mit einem „Pferdetaxi“ davonfährt. Laut wiehernd verleiht sie ihrer Erregung Ausdruck und versucht Kontakt zu ihrem Fohlen aufzunehmen. Spätestens beim Wiedersehen auf der anderen Weide ist die Welt ganz schnell wieder in Ordnung.

Dass diese Ausnahmesituation hier als Beispiel für das Wiehern dient, hat einen Grund: Halbwild lebende Pferde machen sich nur selten durch laute Geräusche bemerkbar. Der Instinkt rät ihnen, sich eher unauffällig zu verhalten. Wer weiß, wo der nächste Fressfeind lauert? Wiehern kann auch Ausdruck der Freude, Warnung, Aggression oder Wut sein.

Neben dem Wiehern kennen Pferde übrigens noch viele weitere Möglichkeiten, sich mit Lautäußerungen zu verständigen. Spitzt man ganz genau die Ohren, vernimmt man dann und wann auch ein wohliges Brummeln oder Schnauben, aggressives Quietschen, alarmiertes Blasen oder drohendes Stampfen.

Projekte

Naturerlebnis am Sintfeld-Höhenweg